jCPEX!: Dynamische Verknüpfung von Prozess-Services steigert Agilität

  • Metasonic entwickelt Plattform für flexiblen und lose gekoppelten organisationsübergreifenden Geschäftsprozess-Workflow

  • Erhöhte Wettbewerbschancen für KMUs durch Bekanntmachung ihrer Prozess-Schnittstellen auf dem Servicemarktplatz

  • Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen des Forschungsprogramms „THESEUS – Neue Technologien für das Internet der Dienste“ gefördert
Pfaffenhofen
28. Februar 2011
 - 

Die diesjährige CeBIT steht bei Softwarehersteller Metasonic ganz im Zeichen der Prozessoptimierung. Hierzu hat das Unternehmen das Projekt jCPEX! ins Leben gerufen, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unterstützt wird und zu den 12 Gewinnerprojekten im Rahmen des Technologiewettbewerbs „THESEUS Mittelstand 2009“ zählt.


Mit jCPEX! ist es möglich, lose gekoppelte, organisationsübergreifende Geschäftsprozesse flexibel und dynamisch zu verknüpfen. Oberstes Ziel: Steigerung der Agilität von Organisationen indem Prozessverknüpfungen vom Zeitpunkt der Modellierung zur Laufzeit verlagert werden. Das bedeutet die Verknüpfungen ergeben sich erst in Abhängigkeit von der konkret gesendeten Nachricht. Die beteiligten Unternehmen müssen sich nur auf eine gemeinsame Schnittstelle für ihre Prozesse einigen (das „beobachtbare Verhalten“), um miteinander kommunizieren zu können. Diese Prozess-Schnittstelle wird auf dem Service-Marktplatz veröffentlich. Somit wird das Konzept „Internet der Dienste“ des TEXO-Projektes um die Geschäftsprozesskomponente erweitert.

Vorgehensweise im Detail
Die Metadaten zur Prozess-Service-Schnittstelle und deren Umsetzung werden in der Unified Service Description Languange (USDL) beschrieben. Hier wird festgelegt, wie sich potentielle Partner verbinden können. Darin stehen rechtliche Aspekte (AGBs), die vom Service angebotene Funktionalität, was der Service kostet und welche Organisationen an der Diensterbringung beteiligt sind. Ähnlich dem Amazon Marketplace, bei dem Angebot und Nachfrage einheitlich darüber abgewickelt werden, werden auf dem angesprochenen Service-Marktplatz durch die gemeinsame Beschreibung in USDL Dienste IT-gestützt handelbar. Durch jCPEX! können dort jetzt nicht nur Web-Services konsumiert, sondern vollständig durchgängige Geschäftsprozesse realisiert werden.

Der Prototyp, der von Metasonic im Rahmen des Forschungsprojektes THESEUS TEXO entwickelt wurde, beschreibt ein durchgängiges Prozess-Szenario. Dies reicht von der Modellierung der Prozess-Schnittstelle über deren Veröffentlichung und Umsetzung am Service-Marktplatz, die Suche und Modellierung durch den Service-Konsumenten sowie regelbasierte Verknüpfung der Prozesse bis hin zur Ausführung des Workflows.

Beispielsweise sucht ein Kunde über eine semantische Suche am Service-Marktplatz eine in USDL beschriebene Prozess-Schnittstelle für einen Büromaterialbestellungsprozess, um seinen bisher nur internen Geschäftsprozess-Workflow über seine Unternehmensgrenze hinweg zu erweitern. Die Suche ergibt drei, seinen Suchkriterien entsprechenden Lieferanten. Diese bieten jeweils Umsetzungen derselben abstrakten Prozess-Schnittstelle durch konkrete interne Prozesse an, die zur Laufzeit angestoßen werden können.


Der Kunde lädt sich nun die gefundene Prozess-Schnittstelle der drei Anbieter vom Servicemarktplatz in sein Modellierungswerkzeug, und bindet sie in seine internen Prozesse ein. Anschließend definiert er auf seiner jCPEX!-Plattform Regeln, welcher der angebotenen Services in welchen Fällen zur Anwendung gelangen soll. So entstehen die lose Verknüpfungen der Geschäftsprozesse zwischen Kunde und Dienstanbieter. Bei der Ausführung des Workflows werden die Regeln dann ausgewertet und die Nachrichten über die jCPEX!-Plattform an den Prozess beim Lieferanten weitergeleitet. So können z.B. abhängig vom Nachrichteninhalt (Mengenangaben, ortsabhängige Kriterien, etc.) zur Laufzeit flexibel unterschiedliche Prozessverknüpfungen aufgebaut werden.

Hintergrund
Ein Unternehmen operiert im Normalfall nicht autonom. Stattdessen ist es gleichermaßen auf Kunden und Zulieferer angewiesen. Damit sich die Koordination zwischen diesen Parteien in Zukunft einfacher und effektiver gestaltet, initiierte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) das Forschungsprogramm THESEUS mit dem Ziel, den Zugang zu Informationen zu vereinfachen, Daten zu neuem Wissen zu vernetzen und die Grundlage für die Entwicklung neuer Dienstleistungen im Internet zu schaffen. Eins der dazugehörigen 6 Anwendungsszenarien ist die TEXO-Plattform, zu der auch das Projekt jCPEX! zählt. Es soll allen Marktteilnehmern helfen, im heutigen Wirtschaftsleben mehr Agilität zu gewinnen und leichter am netzbasierten globalen Markt teilzunehmen. Insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bietet sich die Chance, eigene Dienste global anzubieten, ihr Angebot systematisch ausbauen und sich so mit ihrem Geschäfts-Know-how einer größeren Community potentieller Kunden zu präsentieren.

Zusammenfassung
jCPEX! profitiert von TEXO durch:

  • Die Semantische Beschreibung der Prozess-Schnittstellen und der konkreten Umsetzungen dieser Schnittstellen mit dem USDL-Editor in der USDL
  • Die Publikation der Prozessschnittstellen und konkreten Umsetzungen über das USDL-Repository
  • Die Suche von Prozess-Schnittstellen und konkreten Umsetzungen durch semantische TEXO Suchtechnologien

jCPEX! leistet einen wichtigen Beitrag zu TEXO durch:

  • Die Praktische Erprobung und Feedback zu TEXO-Komponenten USDL, USDL-Repository und Service Discovery
  • Domänenspezifische Erweiterung der USDL
  • Erweiterung des Internet der Dienste Konzepts um die Geschäftsprozesskomponente